About P & S

The ‘Pattern & Signs’ project embraces a broad spectrum of themes, touches on political, social and socio-cultural issues … (english text continues below)

Thematisch weit gefasst berührt das Projekt „Pattern & Signs“ politische, soziale wie sozio-kulturelle Problemfelder und reflektiert im Rahmen künstlerischer Recherchen die Diversität unmittelbarer Lebenszusammenhänge. Grundlage von Ausstellung und Workshops bildet ein Netzwerk international agierender KünstlerInnen, das über Jahre gewachsen ist, unterschiedliche Generationen umfasst und aus dem bereits im Januar 2011 in Bangkok eine gemeinsame Ausstellung unter gleichem Titel hervorging. Für Berlin nun hat der Kunstverein Tiergarten in Kooperation mit dem Menzel-Gymnasium eine eigene und auf die langjährige Zusammenarbeit beider Institutionen fokussierte Realisierung des Projekts entwickelt. Da künstlerische Produktion und Vermittlung mittlerweile eng miteinander verbunden sind und sich wechselseitig bedingen, bot sich die Verschränkung zweier unterschiedlicher Formate an: Die KünstlerInnen aus China, Indien, Kamerun, Rumänien, Thailand und Deutschland waren eingeladen, Workshops mit Schülerinnen und Schülern des Menzel-Gymnasiums zum Thema Muster und Zeichen zu entwickeln und zugleich ihre eigenen Arbeiten in einer umfangreichen Ausstellung zur Diskussion zu stellen. Mit „Pattern & Signs“ konnte sich die seit Jahren fruchtbare Kooperation der Menzel-Schule und des Kunstvereins Tiergarten im Rahmen der Berliner Initiative „Kulturelle Bildung“ erstmals auf ein prominentes Projekt konzentrieren.

Die fünf für das Projekt zentralen Workshops spiegeln unterschiedliche thematische Facetten und zeigen zugleich eine große Bandbreite künstlerischer Möglichkeiten auf:

In dem „The Gender of the City“ betitelten Workshop gingen Schülerinnen und Schüler der Frage nach geschlechterrelevanten Zeichen, Mustern und Situationen im Stadtraum nach. Angeleitet von Katharina Koch und Joanne Richardson erkundeten sie ihr unmittelbares Umfeld auf spielerische Art mit der Kamera. Hierbei rückten relevante Fragen zu Migration, Integration, zu interkulturellem Zusammenleben sowie Stereotypenbildung und sozialen Unterschieden automatisch ins Blickfeld. In der Ausstellung sind mit Katharina Koch und Joanne Richardson zwei Künstlerinnen vertreten, die die Grenzbereiche von Theorie und künstlerischer Praxis immer wieder überschreiten. Beide leben und arbeiten nicht nur in Berlin, sondern auch in Südosteuropa, insbesondere in Rumänien, und beide haben ein dezidiertes Interesse an Genderthematiken. Ihre filmischen Arbeiten gehen von ähnlichem Material aus und sind dennoch grundverschieden. Während Katharina Koch die Kamera analysierend auf eine rumänische Künstlerinnengruppe richtet, erfasst Joanne Richardson postkommunistische Entwicklungen in tagebuchähnlichen Filmsequenzen.

Auf einer eher unmittelbaren Ebene widmeten sich Schülerinnen und Schüler Mustern und Zeichen in dem von Li Lisha (Peking) und Christine Falk (Berlin) geleiteten Workshop „Patterns and Signs in Daily Life“. Die chinesische Künstlerin hat in ihren Arbeiten für die Ausstellung mit den in Europa obsoleten, in China jedoch sehr trendigen Kaffeetassenuntersetzern einen eigen- willigen Gebrauchsgegenstand in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In Zeichnungen und Collagen lotet sie deren Bedeutungsaufladung und Kontextualisierung in differenten kulturellen Gefügen aus. Dies griffen Schülerinnen und Schüler gern auf, indem sie beispielsweise Verkehrsschilder in die Tierwelt übertrugen, die Kaffeetassenuntersetzer formal heranzogen, um gängige Codes ins Absurde zu transferieren. Aber auch völlig andere Zeichen wie Piktogramme oder ritualisierte Mimik gingen in den visuellen Ideenpool ein und waren Thema des Workshops. Mit Christine Falk war dabei eine Künstlerin präsent, deren Malerei unmittelbar an die europäischen Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts und an Tendenzen des Konkreten erinnert. Tatsächlich jedoch gehen die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten der Künstlerin auf Fotografien zurück, die zumeist in Asien entstanden sind. Auch Christine Falk synthetisiert insofern differente kulturelle Kontexte.

Doris Hinzen-Röhrig (Berlin) und Petra Jung (Saarbrücken) folgen in ihren Arbeiten einem im besten Sinne traditionellen Ansatz in den Medien Zeichnung, Malerei und Skulptur. Gemeinsam ist ihnen die Reflexion existentieller Werte sowie die sensible Frage nach der Positionierung des Subjekts. Dabei kombiniert Doris Hinzen-Röhrig vorgefundene Materialien aus Zeitungen mit reduzierten figuralen Chiffren, die rätselhafte und an Archetypen erinnernde Muster bilden. Petra Jung greift in ihren Zeichnungen auf thailändische Mythen zurück, denen sie bei einem Workshop in Bangkok begegnet ist und die sie beschäftigt haben, weil diese auf eigenwillige Weise dem kulturell völlig anders verwurzelten Interesse der Künstlerin an Wandlungen und Metamorphosen entsprechen. Der von Doris Hinzen-Röhrig und Petra Jung geleitete Workshop „Ein neues Logo für Moabit“ war eng am unmittelbaren lokalen Kontext orientiert. Zugleich jedoch ging es bei der Arbeit im Workshop wesentlich um künstlerische Wege, ein solches Logo zu erarbeiten, was bei einer Materialsammlung zum Thema Moabit ansetzte, sich über die Auseinandersetzung mit künst- lerischen Techniken fortentwickelte und schließlich in konkreten Logovorschlägen mündete.

In dem von Alfred Banze geleiteten Workshop gingen die Schülerinnen und Schüler dem Ungesehenen und Ungehörten mit Audiorecordern und Videokameras auf die Spur. Das, was zwar wahrnehmbar ist, sich unserer ziel- und gewöhnungsorientierten Wahrnehmung jedoch gemeinhin entzieht, stand hier im Zentrum. Dabei blieben die TeilnehmerInnen jedoch nicht beim Erfassen und Dokumentieren des im Alltag Vernachlässigten stehen, sondern kombinierten neu, erkundeten die bewusst verschobenen Relationen von Ton- und Bildspuren. Anhand der künstlerischen Arbeit Alfred Banzes für die Ausstellung werden die zentralen Fragen und Ideen des Projekts in besonderer Weise deutlich. „Crossing the line“ ist der Titel seiner Installation, in der er Zeichnungen, handschriftliche Notizen, Audio- und Videoaufzeichnungen verarbeitet und miteinander kombiniert. Unterwegs in Japan, Thailand, Indien, China, Fiji und Berlin entstanden, bildet dieses Material die Grundlage für eine, wie Alfred Banze es selbst ausdrückt, virtuell-reale Reise. Bilder überlagern sich, Zusammenhänge werden geschaffen, visuelle und akustische Muster entstehen und lösen sich sogleich wieder auf, um Platz zu machen für Neues.

Die Arbeiten von Jerome Ming und Varsha Nair entsprechen in starkem Maße dem Untertitel der Ausstellung: A language in between. Seit kurzem in Shanghai ansässig, hat Jerome Ming in London, aber auch in verschiedenen afrikanischen Ländern gelebt. Seine fotografischen Arbeiten befragen immer wieder das Eigene und das Fremde, sie oszillieren zwischen Aneignung und Distanz und thematisieren die Folgen wirtschaftlicher wie politischer Eingriffe. Varsha Nair, in Indien ebenso wie in London und Bangkok zu Hause, arbeitet an der Schnittstelle von Zeichnung und Performance. Dabei fließen äußerst disparate Momente in ihre Arbeiten ein: beiden in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen zum Beispiel die Verunsicherung angesichts politischer Unruhen und Gewalt ebenso wie Elemente indischer Mythologie. „Performance, sound, drawing, and space“, so der Titel des von beiden geleiteten Workshops, hat die TeilnehmerInnen manche Schwelle überwinden lassen. Schülerinnen und Schüler haben sich die Räume der Galerie Nord körperlich angeeignet, temporär mit Lineamenten durchspannt und über die großen Fenster der Galerie in den Stadtraum getragen. Was überall, in der Menzel-Schule und im Stadtraum, geschah, kulminierte hier kurzzeitig zu einem körperlich-mentalen Netz, dessen Spuren in der Ausstellung sichtbar waren.

Das Projekt „Pattern & Signs“ geht weiter. Die vorliegende Dokumentation ist eine Momentaufnahme vier intensiver Wochen gemeinsamer Arbeit zwischen KünstlerInnen und SchülerInnen, zwischen Kunstverein und Schule: A project in between! Verschiedene Kontexte, Menschen aus über 20 Nationen, Akteure aller Generationen haben performt, gemalt, collagiert, gefilmt und vor allem eins: diskutiert! Diskutiert über Muster und Zeichen, Alltag und Normen, Musik und Geschlecht, Kunst und Leben. Dafür sagen wir allen Beteiligten, den KünstlerInnen, den InitiatorInnen, den OrganisatorInnen, unseren Förderern und – last but not least – den vielen motivierten Schülerinnen und Schülern unseren herzlichen Dank!

Claudia Beelitz, Projektleitung

The ‘Pattern & Signs’ project embraces a broad spectrum of themes, touches on politi- cal, social and socio-cultural issues and reflects the diversity of interplay in everyday life as seen with the immediacy of the artist’s investigative eye. The exhibition and workshops are based on a network of internationally active artists; a network that has developed over years, spans different generations and resulted in a joint exhibition under the same title in the city of Bangkok in January 2011. In Berlin, the Kunstverein Tiergarten art association and the Menzel Gymnasium, who have been working together for many years, have now realized this joint project. Since artistic production and communication have now become so closely linked and mutually dependent, the combination of the two different spheres seemed very promising: the artists from China, India, Cameroon, Romania, Thailand and Germany were invited to develop workshops with the students from the Menzel Gymnasium on the theme of pattern and signs, whilst opening their own work up to discussion in an extensive exhibition. The longstanding fruitful co-operation between the Kunstverein Tiergarten and the Menzel School, supported by the Berlin Project Fund for Cultural Education, has enabled us to focus efforts on a prominent project for the first time.

The project’s five central workshops reflect different thematic facets and highlight a great range of artistic approaches:

In ‘The Gender of the City’ workshop, school students explored the topic of gender-rel- evant signs, patterns and situations in the urban context. Under the guidance of their mentors Katharina Koch and Joanne Richardson, the students playfully investigated their immediate surroundings with the camera. In so doing, relevant issues surrounding migration, integration, inter-cultural relations in everyday life, stereotype formation and social differences automati- cally came to light.The exhibition includes works by Katharina Koch and Joanne Richardson, two artists who repeatedly transcend the boundaries of theory and practice. Both live and work not only in Berlin, but also in southeast Europe, especially in Romania, and both have a definite interest in gender themes. Although their filmic works are based on similar material, they are neverthe- less entirely different. Whereas Katharina Koch analytically focuses the camera on a Romanian artists’ group, Joanne Richardson captures post-communist developments in diary-like film sequences.

In the workshop headed by Li Lisha (Peking) and Christine Falk (Berlin), students addressed the theme of ‘Patterns and Signs in Daily Life’. In her works for the exhibition the Chinese artist has centred her attention on the doily, a quirky everyday item which is now totally outdated in Europe, but is considered very trendy in China. In her drawings and collages she monitors the doilies’ environments and the intrinsic meanings that permeate them in different cultural contexts. The students were stimulated by these ideas which they picked up and transferred, for instance into the animal world as traffic signs. In this way they wittily implemented the doilies to transform codes of everyday life into the absurd. In addition to this, a variety of completely different signs, such as pictograms or ritualised facial expressions, flowed into the pool of visual elements that inspired the workshop themes. In contrast, Christine Falk’s works are strongly reminiscent of the early 20th-century European avant-garde as well as tendencies towards concrete approaches. Yet the fascinating twist is that this artist works on the basis of photographs mostly taken in Asia. So in this respect, Christine Falk is also involved in creating syntheses from different cultural contexts.

In the very best sense, the works of Doris Hinzen-Röhrig (Berlin) and Petra Jung (Saarbrücken) pursue the traditional approaches of drawing, painting and sculpture. They both share an urge to reflect on existential values and questions concerning the positioning of the subject. Consequently, Doris Hinzen-Röhrig combines materials found in newspapers with reduced figural ciphers which form enigmatic patterns conveying archetypal associations. Petra Jung’s drawings bear references to Thai myths which she encountered during a work- shop in Bangkok. These myths captured her imagination because, despite the great contrast in her cultural roots, they display ingenious affinities with the artist’s own interest in transformations and metamorphoses. The workshop entitled ‘A New Logo for Moabit’, led by Doris Hinzen-Röhrig and Petra Jung, was linked closely with the immediate local context. At the same time, the workshop activities focussed strongly on artistic approaches in creating such a logo. The students began by collect- ing materials and ideas about Berlin’s district of Moabit. This research phase was followed by the exploration of various artistic options and techniques, and finally led to the production of concrete logo proposals.

In the workshop headed by Alfred Banze, the students set out to discover the unseen and the unheard with audio recorders and video cameras. In this case the focus was on things that are indeed perceptible, but tend to evade our senses which are otherwise preoccupied by ingrained patterns of perception. However, the participants did more than simply capture and document the neglected phenomena of everyday life. They created new combinations and consciously explored shifts in the relationship between the audio and visual tracks. Alfred Banze’s work for the exhibition lucidly illustrates the key questions and ideas behind this project. ‘Crossing the line’ is the title of his installation which processes and combines a wealth of drawings, handwritten notes, audio and video recordings. This material, which was gleaned in Japan, Thailand and Berlin, forms the basis of what Alfred Banze calls a ‘virtual-real journey’. Images superimpose each other, contexts are interlinked and connections are created, whilst visual and acoustic patterns emerge and dissolve again to make room for the new.

The works by Jerome Ming and Varsha Nair have a strong affinity with the exhibition’s sub- title: A language in between. Having recently moved to Shanghai, Jerome Ming has previously lived in London and a variety of African countries. His photographic works repeatedly investi- gate the self and the other; they oscillate between appropriation and detachment and address the consequences of economic and political interventions. Varsha Nair, who is equally at home in India, London and Bangkok, works at the interface of drawing and performance. In so doing, entirely disparate aspects flow into her works. For instance, the drawings on show in the exhibition combine uncertainty in face of political unrest and violence with elements of Indian mythology. ‘Performance, Sound, Drawing, and Space‘, is the title of the two workshops that caused the participants to overcome some challenging barriers. Students physically appropriated the rooms of the Galerie Nord, temporarily traversing them with lines and continuing their markings through the large gallery windows into the external urban space. Everything that happened, in the Menzel School and in the urban space, culminated briefly in a body-mind network that created visibly palpable traces within the exhibition.

‘Pattern & Signs’ is an ongoing project: this documentation represents a brief snapshot of four intense weeks of close collaboration between artists and school students, between an art association and a school. So it’s ‘a project in between!’ In a great variety of contexts, people from more than 20 nations and actors from all generations have performed, painted, created collages, filmed and above all joined in a lively dialogue. They ceaselessly discussed patterns and signs, everyday life and norms, music and gender, art, creativity and life. And for all this we would like to say thank you to everyone involved – to the artists, the initiators, the organisers, our sponsors and, last but not least, the many highly motivated students from the Menzel Gymnasium!

Claudia Beelitz, Project Manager

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